Begutachtete Artikel in FachzeitschriftenLeitbild „Intensivierte Elternschaft“ und Kinderwunsch von Kinderlosen
Ruckdeschel, Kerstin (2024)
Soziale Welt 75(4). Baden-Baden: Nomos: 446–474
DOI: 10.5771/0038-6073-2024-4-446
Die Vorstellungen, die Kinderlose von der Ausgestaltung der Elternrolle haben, sind durch ihre Außenperspektive geprägt und können die Entscheidung für oder gegen Kinder mit beeinflussen. Im Beitrag soll deshalb untersucht werden, wie Kinderlose Elternschaft wahrnehmen und ob sich Kinderlose mit und ohne Kinderwunsch in ihrer Wahrnehmung von Elternschaftsanforderungen unterscheiden. Die untersuchten Aspekte stellen auf den Erziehungsstil
der „Intensivierten Elternschaft“ ab, der auch in Deutschland weit verbreitet ist. In Anlehnung an dieses Konzept werden vier Dimensionen ermittelt: finanzielle Vorsorge, informierte Elternschaft, Kindzentriertheit und engagierte Vaterschaft. Es kann festgehalten werden, dass Kinderlose ein relativ einheitliches Bild von den Anforderungen an Eltern in Deutschland haben, das vor allem durch informierte Elternschaft und finanzielle Vorsorge geprägt ist und in dem sie sich mit der Gesellschaft in Übereinstimmung sehen. Für den Zusammenhang von Leitbild und Kinderwunsch ist zwischen einem sicheren Kinderwunsch und unsicheren oder nicht vorhandenen Kinderwünschen zu unterscheiden. Finanzielle Anforderungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines unsicheren oder negativen Kinderwunsches. Ist der Kinderwunsch sicher, dann scheinen informierte Elternschaft, Kindzentriertheit und engagierte Vaterschaft in einer Art „Nestbaubereitschaft“ akzeptiert zu werden. Die Auswertungen erfolgen auf Basis des Familienleitbildsurveys 2012 und 2016 des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung.