Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Demografischer Wandel als Herausforderung | 19.03.2025Welche Potenziale die Politik besser nutzen kann

Die künftige Bundesregierung steht vor großen Herausforderungen – doch der demografische Wandel werde dabei oft übersehen, so BiB-Direktorin Prof. Dr. C. Katharina Spieß in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 12. März 2025. Dabei verändert sich die Bevölkerung rasant: Seit der Coronapandemie sinkt die Geburtenrate, die Lebenserwartung steigt wieder, und mit den Babyboomern geht eine große Generation in den Ruhestand. Gleichzeitig fehle es bereits heute an Fachkräften.

Rückansicht Kinder, die Hände halten Quelle: © StockPlanets via Getty Images

Spieß betont, dass bestehende Potenziale besser genutzt werden müssen, um den beschleunigten Wandel der Bevölkerung aktiv zu gestalten. Sie nennt vier zentrale Handlungsfelder:

  • Erwerbstätige Mütter: Die ungleiche Verteilung von Kita-Plätzen und fehlende Betreuungsmöglichkeiten am Nachmittag hindern Mütter daran, ihre Erwerbstätigkeit im gewünschten Umfang zu realisieren. Mehr und bessere Plätze in der Kindertagesbetreuung könnten nicht nur den Erwerbsumfang erhöhen, sondern auch dazu beitragen, dass Frauen bestehende Kinderwünsche eher umsetzen.
  • Bildungsinvestitionen: Jährlich verlassen rund 50.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss. Besonders Kinder aus armutsgefährdeten oder zugewanderten Familien brauchen frühzeitig Bildungsangebote. Doch gerade diese Familien finden oft keinen Kita-Platz, obwohl sie Bedarf haben. Dabei profitieren nicht nur die Kinder vom Besuch einer öffentlich finanzierten Bildungs- und Betreuungseinrichtung, sondern auch zugewanderte Mütter können sich so leichter integrieren.
  • Zuwanderung: Viele Zugewanderte bringen wertvolle Qualifikationen mit, doch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse dauert oft zu lange. Um Zugewanderte schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren, muss hier angesetzt werden. Auch Schutzsuchende aus der Ukraine in Deutschland sollten stärker berücksichtigt werden, denn viele von ihnen sind in Engpassberufen qualifiziert.
  • Gewonnene Lebensjahre: Die steigende Lebenserwartung ist eine Errungenschaft, wirft aber die Frage auf, ob und wie gewonnene Lebensjahre produktiv genutzt werden. Während die Lebenserwartung stieg, blieb die Lebensarbeitszeit vergleichsweise stabil. Die Herausforderung ist, längere Erwerbsarbeit zu ermöglichen, ohne Ungleichheiten zwischen Beschäftigtengruppen zu verstärken. Falls die Lebensarbeitszeit verlängert wird, sind präventive Gesundheitsmaßnahmen wichtig.

Diese Ansätze zeigten, wie Deutschland sein „Humanvermögen“ besser nutzen könnte. Abgesehen vom abnehmenden Erwerbspersonenpotenzial betreffe der demografische Wandel Deutschland aber in seiner ganzen Vielfalt – von alternden und schrumpfenden ländlichen Regionen bis hin zu wachsenden städtischen Regionen, betont Spieß. Um diesen Wandel aktiv zu gestalten, sollte die neue Bundesregierung das Thema wieder stärker in den Fokus rücken – auch mit Blick auf regionale Unterschiede. Bund, Länder und Kommunen seien gefordert, passgenaue Lösungen zu entwickeln, um Deutschlands Zukunftsfähigkeit zu sichern.

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