Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Interview | 17.10.2024Fachkräftemangel im Bildungssystem: mehr Druck, weniger Qualität

Zum Thema „Fachkräftemangel in der Bildung: Chancen und Perspektiven“ diskutierten Teilnehmende unterschiedlichster Disziplinen beim Bildungspolitischen Forum des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN) am 11. Oktober in Berlin. Inhaltlich verantwortete die Veranstaltung in diesem Jahr das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE). Im Interview gibt BiB-Direktorin Prof. Dr. C. Katharina Spieß Einblicke in die besonderen Herausforderungen im Bereich der frühen Bildung.

Prof. Dr. C. Katharina Spieß BiB-Direktorin Prof. Dr. C. Katharina Spieß Quelle: © Peter-Paul Weiler

Frau Prof. Dr. Spieß, der Fachkräftemangel zeigt sich im gesamten Bildungssystem – von der frühen Bildung über die schulische Bildung bis hin zur Erwachsenen- und Weiterbildung. Welche übergreifenden Herausforderungen sehen Sie in diesem Zusammenhang?

Lernende und Lehrende spüren den Mangel bereits jetzt deutlich im Alltag, und es ist absehbar, dass sich die Lage in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Werden offene Stellen nicht angemessen besetzt, steigt der Druck auf die verbleibenden Fachkräfte im Bildungssystem. Gleichzeitig leidet die Qualität der Bildungsangebote.

In der frühen Bildung zeichnet sich hier eine Besonderheit ab. Welche ist das?

Der Fachkräftemangel in Kitas behindert den weiteren Ausbau der Kindertagesbetreuung und deren Qualität. Dies äußert sich auf verschiedene Weise: durch reduzierte Betreuungsplätze, kürzere Öffnungszeiten oder eingeschränkte Ferienangebote. Gleichzeitig wird es schwieriger, wichtige pädagogische Standards aufrechtzuerhalten.

Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem zweiten Lebensjahr kann so nur teilweise erfüllt werden. Anders als im schulischen Bereich führt der Fachkräftemangel hier dazu, dass manche Kinder gar keinen Zugang zu Bildungsangeboten haben.

Mit welchen Folgen?

Zum einen können Kinder in ihrer Entwicklung weniger von frühkindlichen Bildungsangeboten profitieren. Zum anderen erschwert der Mangel die Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit für Eltern. In Folge reduzieren viele von ihnen, und hier insbesondere die Mütter, ihre Arbeitszeit.

Als Bildungs- und Familienökonomin sprechen Sie hier von einem gesamtgesellschaftlichen Problem, das uns langfristig viel Geld kosten wird. Warum?

Wenn die Bildungspotenziale von Kindern nicht ausgeschöpft werden und berufliche Potenziale von Eltern, insbesondere von Müttern, ungenutzt bleiben, entstehen erhebliche Folgekosten. In einer alternden Gesellschaft, die ohnehin mit einem Rückgang an Arbeitskräften konfrontiert ist, wird dies langfristig große wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Welche Lösungsansätze haben Sie im Rahmen des LERN-Forums diskutiert?

Im Bereich der frühen Bildung haben wir verschiedene Lösungsansätze besprochen. Wir empfehlen innovative Konzepte, bei denen alle verfügbaren Ressourcen effektiv genutzt werden. Potenzial sehen wir etwa in multiprofessionellen Teams, dem verstärkten Einsatz älterer Menschen in Kitas und einer Umverteilung ungenutzter Betreuungsumfänge.

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